Immobilienbewertung: Warum aktuelle Werte heute wichtiger sind denn je

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Immobilienbewertung: Warum aktuelle Werte heute wichtiger sind denn je

Die Immobilienbewertung hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Nach einer ausgeprägten Korrekturphase zeigen die aktuellen Marktdaten eine klare Richtung: steigende Preise, wachsende Nachfrage und zunehmend differenzierte Anforderungen an die Qualität von Bewertungen. Wer heute eine Immobilie kauft, verkauft, vererbt oder finanziert, braucht eine Wertermittlung, die auf aktuellen Daten und nachvollziehbaren Methoden beruht.

Dieser Beitrag erklärt, wie die Immobilienbewertung rechtlich verankert ist, welche Verfahren zum Einsatz kommen und wann eine professionelle Bewertung unverzichtbar ist.

Aktuelle Marktlage: Immobilienpreise auf klarem Erholungskurs

Laut Statistischem Bundesamt sind die Preise für Wohnimmobilien im vierten Quartal 2025 um 3,0 % gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen. Gegenüber dem Vorquartal erhöhten sich die Preise um 0,1 %. Damit war dies der fünfte Anstieg im Vorjahresvergleich in Folge. Im Jahresdurchschnitt 2025 stiegen die Preise um 3,2 % gegenüber 2024 und damit zum ersten Mal seit 2022 wieder im Plus. In allen Regionen Deutschlands kosteten Wohnimmobilien im vierten Quartal 2025 mehr als im Vorjahresquartal.

Der vdp-Immobilienpreisindex bestätigt und verstärkt dieses Bild. Nach Angaben des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken (vdp) stiegen die Immobilienpreise in Deutschland im Gesamtjahr 2025 um 4,0 %. Der vdp-Index erreichte zum Jahresende 2025 einen Wert von 185,6 Punkten. In allen vier Quartalen standen Preisanstiege zu Buche. Wohnimmobilien verteuerten sich dabei mit 4,2 % stärker als Gewerbeimmobilien mit 3,5 %. Besonders Mehrfamilienhäuser zogen kräftig an: Im Vorjahresvergleich stiegen ihre Preise um 5,3 %. Die dem vdp-Index zugrundeliegenden Zahlen basieren auf echten Transaktionsdaten aus Immobilienfinanzierungen von mehr als 700 Kreditinstituten und sind Teil der Immobilienpreisbeobachtung der Deutschen Bundesbank.

Für Eigentümer, Käufer, Erben, Banken und Investoren bedeutet das: Eine Immobilienbewertung darf nicht auf veralteten Annahmen beruhen. Marktpreise, Baukosten, Zinsen, energetischer Zustand, Restnutzungsdauer, Wohnfläche, Modernisierungsstand und regionale Nachfrage müssen aktuell und nachvollziehbar eingeordnet werden.

Rechtliche Grundlage: Die ImmoWertV als Maßstab

Die rechtliche Grundlage der Verkehrswertermittlung bildet die Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV 2022). Sie regelt die anerkannten Wertermittlungsverfahren, die Berücksichtigung allgemeiner Wertverhältnisse über Liegenschaftszinssätze und Sachwertfaktoren sowie die methodischen Anforderungen an Gutachten.

Der Verkehrswert nach Paragraf 194 BauGB ist dabei die zentrale Bezugsgröße. Er beschreibt den Preis, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr ohne Berücksichtigung ungewöhnlicher oder persönlicher Verhältnisse zu erzielen wäre. Dieser Wert ist Grundlage für steuerliche Bewertungen, Bankbeleihungen, gerichtliche Verfahren und privatrechtliche Vereinbarungen.

Immobilienbewertung

Vergleichswertverfahren: Direkt und marktbasiert

Das Vergleichswertverfahren eignet sich besonders für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser in aktiv gehandelten Märkten. Es ermittelt den Wert auf Basis tatsächlich erzielter Kaufpreise vergleichbarer Objekte. Gutachterausschüsse stellen dafür regelmäßig aktualisierte Vergleichsfaktoren und Bodenrichtwerte bereit.

Die Qualität dieses Verfahrens hängt direkt von der Datenlage ab. In Märkten mit wenigen Transaktionen oder bei außergewöhnlichen Objekten stößt es an seine Grenzen und muss durch andere Verfahren ergänzt werden.

Ertragswertverfahren: Relevant für vermietete Objekte

Das Ertragswertverfahren kommt bei vermieteten Wohn- und Gewerbeimmobilien zum Einsatz. Es kapitalisiert die nachhaltig erzielbaren Reinerträge mit einem marktüblichen Liegenschaftszinssatz. Das Ergebnis spiegelt den wirtschaftlichen Wert des Objekts als Renditeinvestition wider.

Besonders bei diesem Verfahren wirken sich aktuelle Marktparameter stark auf das Ergebnis aus. Veränderte Liegenschaftszinssätze, angepasste Bewirtschaftungskosten oder geänderte Mietansätze können den ermittelten Wert erheblich verschieben. Der vdp weist darauf hin, dass die Renditen, gemessen am vdp-Index für Liegenschaftszinsen, im Jahr 2025 auf Jahressicht um 1,7 % abgenommen haben. Eine veraltete Bewertung kann hier zu signifikanten Fehleinschätzungen führen.

Sachwertverfahren: Wenn Vergleichs- und Ertragsdaten fehlen

Das Sachwertverfahren ermittelt den Wert aus dem Bodenwert und dem Gebäudesachwert. Dabei werden die Herstellungskosten des Gebäudes um eine altersbedingte Wertminderung bereinigt. Anschließend wird der Sachwert mit einem regionalen Marktanpassungsfaktor korrigiert, um lokale Marktgegebenheiten abzubilden.

Dieses Verfahren kommt vor allem bei selbstgenutzten Immobilien zum Einsatz, für die keine ausreichenden Vergleichs- oder Ertragsdaten vorliegen. Auch bei besonderen Objekten oder stark individuell gestalteten Gebäuden ist es das geeignete Instrument.

Warum zwei ähnliche Objekte sehr unterschiedliche Werte haben können

Steigende Preise bedeuten nicht, dass jede Immobilie im Wert steigt. Die Immobilienbewertung bleibt immer eine Einzelfallprüfung. Zwei äußerlich ähnliche Objekte können deutlich unterschiedliche Werte aufweisen, wenn sich Zustand, Energieeffizienz, Wohnfläche, Grundrissqualität, Sanierungsbedarf oder Restnutzungsdauer unterscheiden.

Gerade ältere Gebäude, unsanierte Objekte, vermietete Immobilien oder Objekte mit unklaren Flächenangaben sollten daher nicht allein über Online-Schätztools bewertet werden. Diese liefern statistische Annäherungswerte, keine objektbezogene Wertermittlung.

Energetischer Zustand und Restnutzungsdauer als Werttreiber

Der energetische Zustand einer Immobilie beeinflusst heute nicht mehr nur die Betriebskosten, sondern unmittelbar den Marktwert. Gebäude mit schlechter Energieeffizienz unterliegen regulatorischen Risiken und sind für eine wachsende Käufergruppe mit erhöhtem Sanierungsaufwand verbunden. Beides schlägt sich in der Wertermittlung nieder.

Ebenso entscheidend ist die Restnutzungsdauer. Sie beschreibt, wie lange ein Gebäude unter normalen Umständen noch wirtschaftlich genutzt werden kann. Eine kurze Restnutzungsdauer senkt den Gebäudesachwert und kann beim Ertragswertverfahren den Liegenschaftszins erhöhen. Banken berücksichtigen sie bei der Beleihungswertermittlung unmittelbar.

Wohnfläche und Grundriss: Unterschätzte Bewertungsgrundlagen

Eine korrekte Wohnflächenberechnung nach WoFlV ist nicht nur für Mietrecht und Exposé relevant. Sie ist auch Grundlage der Immobilienbewertung. Fehlerhafte oder veraltete Flächenangaben führen zu falschen Ausgangswerten in allen drei Bewertungsverfahren.

Bemaßte Grundrisse helfen nicht nur Käufern bei der Entscheidung. Sie dokumentieren die Raumstruktur nachvollziehbar und ermöglichen eine präzisere Bewertung, insbesondere bei Umbauten, nicht genehmigten Anbauten oder unklaren Raumnutzungen.

Wann ist eine professionelle Immobilienbewertung unverzichtbar?

Eine professionelle Immobilienbewertung ist in folgenden Situationen besonders sinnvoll: beim Verkauf oder Kauf einer Immobilie, bei Erbschaft, Schenkung oder steuerlicher Bewertung, bei Finanzierung oder Beleihung, bei Scheidung, Zugewinnausgleich oder Vermögensauseinandersetzung, bei gerichtlichen Verfahren, bei der Bestandsanalyse für Investoren sowie bei der Prüfung von Sanierungs- und Modernisierungsrisiken.

Kurzgutachten oder Vollgutachten: Was ist das Richtige?

Für viele Anlässe ist ein fundiertes Kurzgutachten ausreichend. Es liefert eine methodisch saubere Markteinschätzung zu überschaubarem Honorar und in kurzer Zeit. Für Gerichtsverfahren, behördliche Entscheidungen, komplexe Erbfälle oder streitige Beleihungen ist dagegen ein Vollgutachten nach Paragraf 194 BauGB erforderlich. Es dokumentiert alle Verfahren, Daten und Herleitungen vollständig und ist vor Gericht und Behörden als Beweismittel anerkannt.

Was eine verlässliche Immobilienbewertung heute ausmacht

Eine belastbare Immobilienbewertung braucht aktuelle Marktdaten, eine präzise Objektanalyse und die Anwendung der richtigen Verfahren nach ImmoWertV. Wer den Wert seiner Immobilie kennt und belegen kann, handelt in Verhandlungen, bei Behörden und bei der Bank aus einer gesicherten Position.

VeriCert Solution erstellt methodisch fundierte Bewertungen, die Marktentwicklung, Objektzustand, Energieeffizienz und rechtliche Rahmenbedingungen zusammenführen.

Quellen

  1. Statistisches Bundesamt (März 2026): Preise für Wohnimmobilien im 4. Quartal 2025: +3,0 % zum Vorjahresquartal, erster Jahresdurchschnittsanstieg seit 2022. Pressemitteilung Nr. 101 vom 25. März 2026. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_101_61262.html
  2. vdp – Verband Deutscher Pfandbriefbanken (Februar 2026): Plus 4 %: Immobilienpreise bestätigen Aufwärtstrend im Jahr 2025. vdp-Index auf Basis echter Transaktionsdaten von mehr als 700 Kreditinstituten. https://www.pfandbrief.de/anstieg-der-immobilienpreise-dauert-weiter-an-2/
  3. Bundesministerium der Justiz / Gesetze im Internet (2022): Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV). https://www.gesetze-im-internet.de/immowertv_2022/BJNR280500021.html

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